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Umfrage: Boomt der Handball nach der WM wieder?

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„Wir hoffen schon“ - Umfrage: Boomt der Handball nach der WM wieder?

Von Euphorie ist bei Jugendkoordinatoren und -leitern der großen südpfälzischen Vereine nichts zu spüren. Es ist eher harte Arbeit, Kinder für ihren Sport zu gewinnen. Der im Fernsehen aufgebaute Hype scheint sie unberührt zu lassen. Sie freut es, dass die Weltmeisterschaft ihre Spieler motiviert hat.
Können Sie sich noch retten vor den vielen Kindern, die jetzt Handball spielen wollen?Bernd Dietz (TV Wörth): Im Prinzip freuen wir uns über jedes Kind, das kommt, tatsächlich mussten wir bei Minis und Superminis die Aufnahme stoppen. Wir haben 30 Superminis unter fünf Jahren und 40 Minis von sechs bis acht Jahren. Ob das mit der WM zu tun hat, kann ich nicht sagen, wir sind ja erst im November wieder an Grundschulen gewesen.Elke Sefrin (SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam): Ja. Soweit ich weiß, sind zwei, drei Kinder dazugekommen. Wir hoffen, dass sich da noch was tut. Bei den Kleinen halten wir Ballstunden für Kinder von vier bis sechs Jahren in Ottersheim, Bellheim und Kuhardt, allein in Bellheim sind 25 da. Kuhardt fängt gerade an. Bei den Minis haben wir drei Mannschaften. Bei der F-Jugend ist es gerade dünn.

Heiko Pabst (TV Offenbach): Ich hatte heute tatsächlich einen Jungen im Training, der eigentlich Fußball spielt. Tatsächlich ist es noch zu früh, die nächsten Wochen werden es zeigen. Wir hoffen aber schon darauf. Wenn die Nationalmannschaft so euphorisch spielt und die Leute in den Hallen und vor dem Fernseher mitnimmt, zeigt das schon Wirkung - auch bei uns. 26 waren heute beim Mini-Training, einige sind krank, normal haben sind wir über 30. Da sind wir gut aufgestellt. Bis zur C-Jugend können wir jede Altersgruppe mit zwei Teams besetzen. Eine Mannschaft spielt leistungsorientiert in der Pfalzliga, eine Mannschaft spielt eine Klasse darunter und hier können sich auch Handballneulinge beweisen. Jeder spielt also auf seinem Niveau, so sieht es unser Konzept vor.

Uwe Neuer (HSG Trifels): (lacht) Wir haben Public-Viewing bei Halbfinals und Endspielen organisiert, aber es waren nur Kinder da, die schon Handball spielen. Wir haben ihnen Flyer mitgegeben, sie mit T-Shirts ausgestattet, ihnen mitgegeben, dass sie Freunde mit ins Training bringen können, aber da kann man noch nicht sagen, ob es etwas bewirkt. Bei Minis könnten wir besser aufgestellt sein. In Wernersberg haben wir eine Miniminigruppe. Wir benötigen diese Gruppen in allen drei Orten unserer Stammvereine als Eingangstor aus dem Kindergarten.

Wolfgang Riebel (HSG Landau-Land): Ich bin im C-/D-Jugendbereich engagiert, der Zuspruch ist ganz unten bei den Minis. Ute Gerstle, Manfred Schwall, Sarah Bach, Maike Wagemann und ich sind drei Tage in der Grundschule in Albersweiler, da hoffen wir auf einen Effekt. Am Freitag vergeben wir Ländernamen, teilen in Gruppen ein und spielen Handball. Der Effekt der WM ist der, dass die Jugendlichen im Verein sehr viel motivierter sind.

Ihr Verein tut sehr viel, um Nachwuchs zu gewinnen. Sind Sie es manchmal leid, weil die meisten Kinder dann doch lieber ins Fußball gehen?Dietz: Nein. Die Kinder kommen lieber zu uns in den Handball. Wir haben einen ganz großen Teil, der vom Fußball zu uns kommt und bleibt.Sefrin: Nein. Es gibt einige Kinder, die spielen beides. Wir sind da schon gut versorgt, obwohl Fußball in Bellheim und Knittelsheim auch groß geschrieben wird.

Pabst: Das ist bei uns nicht der Fall. In Offenbach hat der Handball eine lange Tradition und viele Kinder finden den Weg zu uns. Die Fußballer haben zudem ein anderes Konzept. Da wird früher auf Leistung geschaut und die Fußballer scouten schon Kinder anderer Vereine. Wir setzen hier stärker auf eigene Kräfte und wollen eine starke Identifikation zum Verein schaffen. Neben anderen Sportarten sind auch Smartphone und Internet eine Konkurrenz für uns. Die Kinder hängen halt lieber ab, als sich zu quälen. Hier müssen wir den Hebel ansetzen und vermitteln, dass Sport in der Gemeinschaft einfach Spaß macht.

Neuer: Das möchte ich nicht sagen. Die Fußballer kämpfen genauso, das ist vergleichbar. Du hast generell Probleme, Jugendliche in den Vereinssport zu bringen. Da brauchst du nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Bei Auswärtsspielen ist man schon mal drei, vier Stunden weg.

Riebel: Als Koordinator im weiblichen Bereich habe ich es eher mit Reiten und Tanzen zu tun. Es gibt immer weniger, die nur einen Sport betreiben, sie sind dann hin- und hergerissen. Wir haben auch ein Problem mit der Ganztagsschule, mit Unterricht bis 16 Uhr. Nach 18 Uhr am Abend staut es sich bei der Hallenvergabe an die Vereine. Nur über qualifiziertes Training kannst du Jugendliche auf deine Seite bekommen.

Der „Spiegel“ berichtet, dass laut einer Studie nicht einmal ein Drittel der Kinder in der Schule Handball spielen. In der Rangfolge der Sportarten belege Handball den achten Platz. Wie viele Lehrer kennen Sie, die Handball an Schulen fördern?Dietz: Persönlich einen. Es waren gerade wieder „Jugend trainiert für Olympia“-Turniere, wir haben gefragt, ob wir da nicht kooperieren können, indem wir uns als Verein mit in die Turniervorbereitung und ins Training einbringen. Wir möchten auch einen Schulaktionstag in fünften und sechsten Klassen halten, Handball vorstellen und Kinder gewinnen. An Universitäten müssen der DHB und der Pfälzer Handball-Verband tätig werden, damit da was passiert und Handball mehr in die Sportlehrerausbildung kommt.Sefrin: Einen am Gymnasium Germersheim, der Handball gerade bei „Jugend trainiert für Olympia“ hatte. Meine Kinder waren am ESG in Landau gewesen, auch dort gab es damals jedenfalls einen Handballer. Unsere Kooperation mit der Grundschule gibt es nicht mehr. Kuhardt bietet meiner Kenntnis nach eine Stunde Handball in Schulen der Verbandsgemeinde Rülzheim an, einfach mal, um es den Kindern zu zeigen.

Pabst: Das ist schon ein Problem. Andere Sportarten, insbesondere Fußball, sind in heterogenen Gruppen einfacher zu spielen. Handball ist da vielleicht etwas zu komplex und die Unterschiede zwischen Anfängern und Kindern, die schon länger Handball spielen, sind riesig. Da macht das Spiel schnell keinen Spaß. Genau aus diesem Grund arbeiten wir beim TVO mit verschiedenen Schulen zusammen. Seit Längerem mit der Grundschule Offenbach, an der wir einmal im Jahr einen Handballaktionstag anbieten, und wir wollen so etwas auch an der Grundschule Herxheim anbieten. Daneben habe ich als Ehemaliger seit diesem Schuljahr die Handball-AG des Eduard-Spranger-Gymnasiums übernommen. Neben Handballern des TVO und der SG OBK trainiere ich hier auch vier Handballneulinge, und alle haben richtig Spaß dabei.

Neuer: In Annweiler/Wernersberg keinen, da hängen wir hintendran. Früher war das anders. Wenn Schulsportwochen sind, sind die Schulen froh, wenn wir kommen, aber es ist nicht so, dass der Lehrer sagt, oh ist das geil, da mache künftig Handball. Dafür brauchst du einen Handballer in der Schule. An der Uni in Landau, das sieht man an Auszeichnungen, hat es früher eine Uni-Handballmannschaft gegeben. Das gibt es wohl nicht mehr.

Riebel: Einer von uns macht Nachmittagsbetreuung am Otto-Hahn-Gymnasium. Problem: Im Schulsport wird gedrittelt, eine Klasse in einem Hallendrittel. Was will ein Sportlehrer da machen? Basketball und Fußball sind vom Aufwand her für die Lehrer am einfachsten. Der hauptsächliche Sport wird in den AG’s betrieben.

Interviews: Thomas Cattarius

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Wie lange können wir uns noch „Geiz ist geil“ leisten?

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By Vicky Helms

Quelle: Blog "Harz am Ball"

Für Vereine wird es immer schwieriger, engagierte Jugendtrainer zu finden. Hat das Modell ehrenamtlicher Vereinstrainer ausgedient? Und was könnte es ersetzen?

Wie viel verdient ein Jugendtrainer? Oder die bessere Frage: Wie viel bekommt er? Die meisten Jugendtrainer in Deutschland arbeiten für eine kleine Aufwandsentschädigung oder gänzlich ehrenamtlich. Würde man die Summen den tatsächlich geleisteten Stunden gegenüberstellen, wäre man vom Mindestlohn Lichtjahre entfernt.

Trotzdem erwarten wir von ihnen, dass sie Lizenzen erwerben, dass sie Fortbildungen besuchen, dass sie sich Medien anschaffen, um ihr Know-how zu erweitern, dass sie viele Stunden zusätzlich damit verbringen (lesen, lernen, hospitieren, reflektieren), sich selbst weiterzuentwickeln, um unserem Nachwuchs ein ansprechendes Training auf möglichst hohem Niveau bieten zu können.

Doch selbst wenn wir diesen Anspruch ausblenden, finden sich immer weniger Menschen, die bereit sind, nach ihrer regulären Arbeitszeit, in ihrer Freizeit, das Training und die Verantwortung für eine Jugendmannschaft zu übernehmen. Alles nur Egoisten, könnte man einwerfen. Aber selbst wenn: Das ist unser gesellschaftlicher Wandel, das ist Realität. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Vereinsidylle, wie sie von vielen älteren Vereinsmitgliedern und -verantwortlichen noch erinnert wird, eine Wiedergeburt erfährt. Im Gegenteil, in Zukunft werden immer mehr Vereine zuerst daran scheitern, dass sie keine Mitarbeiter (von Trainern bis hin zu Vorstandsmitgliedern) mehr haben – erst in der Folge dessen kein attraktives Angebot und letztlich keine Mitglieder mehr. Beispiele dafür gibt es bereits vielerorts.

Die alten Ansätze greifen nur noch selten. Etwas zurückgeben, was man selbst erfahren hat. Aus Freude an der Gemeinschaft. Für die geliebte Sportart. Für junge oder einfach andere Menschen.

Aber was dann? Eine provokante Antwort: Möglicherweise liegt der Weg in die Zukunft in der Professionalisierung unseres Sports und unserer Vereinsstrukturen. Der Verein als Dienstleister und seine Mitglieder als Kunden. Dazu gehört auch eine entsprechende Entlohnung der Jugendtrainer und damit verbunden vielleicht sogar das Schaffen eines Berufsbilds: der professionelle Kinder- und Jugendtrainer.

Die Vorteile? Von jemandem, der damit sein Geld verdienen will, kann man eine Qualifizierung erwarten – im Umfang und Inhalt einer Berufsausbildung oder eines Studiums, mit dem Anspruch einer regelmäßigen Weiterbildung. Darauf aufbauend kann ein solcher Trainer ein qualitativ hochwertiges Angebot realisieren, das sowohl für Kids als auch ihre Eltern attraktiv ist. So jemand steht zur Verfügung, wenn Kinder und Jugendliche Zeiträume für Sport haben: im Ganztagsangebot der Schulen, in den Nachmittagsstunden des Vereins.

Spinnerei? Bei uns in Deutschland nicht denkbar? In etwas anderer Form existieren solche Dienstleister im Handball bereits und finden Gegenliebe, inklusive eines Einkommens: die professionellen Anbieter von Handball-Camps. Seien es namhafte Trainer oder Teams, die sich zu kleinen Unternehmen formiert haben, die ihre Leistungen quer durch das Land vor Ort anbieten oder die besonders in den Ferien aktiv sind.

Also vielleicht doch nicht so abwegig, die Idee. Der professionelle Jugendtrainer. Dazu wären jedoch noch weitreichendere Veränderungen in den Vereinsstrukturen nötig – und irgendwo muss auch das Geld für solche Mitarbeiter herkommen. Dazu an anderer Stelle dann mehr.

Meine Schafe und der böse Wolf

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By Vicky Helms

Quelle: Blog "Harz am Ball"

Für Vereine ist die Welt eine andere geworden. Sich als Dienstleister zu begreifen, verspricht eine Zukunftsperspektive, erfordert jedoch ein weitgehendes Umdenken bei den Verantwortlichen.

Als mein Onkel in den 1970er Jahren Handball spielte, war die Welt noch einfach – und klein. Oft war Handball eine der wenigen Sportarten, die man überhaupt betreiben konnte. In fast jedem Ort gab es einen Verein. Hier fand man, was man brauchte: Sport, Kameraden, Gemeinschaft. Für einen Vereinswechsel gab es kaum Gründe. Bei mancher Nachbarschaftsrivalität kam ein Überlaufen zum Dorfverein nebenan gar einem Hochverrat gleich. Handball war in erster Linie Breitensport.

Heute sieht das anders aus: Die Welt ist riesengroß geworden. Vereine stehen in einem Umkreis von 50, manchmal 100 Kilometern, teilweise deutschlandweit in einem Wettbewerb. Andere Vereine sind Mit-Bewerber – nicht mehr nur auf der Platte im Wettstreit um die Punkte, sondern auch im Kampf um immer weniger Mitglieder, um handballbegeisterte Jugendliche, um mehr oder minder fähige Erwachsene. An die Konkurrenz zu anderen Sportarten oder Freizeitaktivitäten wollen wir gar nicht denken.

In vielen Köpfen der vereinseigenen Entscheider und Gestalter ist diese Wende allerdings noch nicht angekommen. Sie klammern weiterhin an der alten Idee: der selbstverständlichen Vereinstreue von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, der üblichen Laufbahn vom aktiven Sportler zum ehrenamtlich Engagierten. Anstatt den Wandel anzunehmen, soll die Vergangenheit wiederbelebt werden. Krampfhaft versucht man, die Schäfchen im eigenen Garten zu halten, reagiert mit Verbitterung, wenn eines abtrünnig wird, und beißt wild um sich, wenn sich ein fremder Wolf für die eigene Herde interessiert.

Wie geht es, wenn es nicht mehr geht? Ein Weg in dieser weiten Welt besteht für Vereine darin, sich als die Dienstleister zu begreifen, als die sie heute gesehen werden. Vereine stellen ein Sportangebot bereit. Gefällt dieses, nutzt man es – findet man irgendwo ein besseres, erfolgt leidenschaftslos der Wechsel. Es ist nicht mehr wichtig, welcher Name auf dem Trikot oder Trainingsanzug prangt – wichtiger ist, dass man den Sport auf die Weise ausüben kann, wie man Freude an ihm findet und seine persönlichen Ziele erreicht. Inklusive Spielklasse, Trainingsumfang, Trainerqualität, Teamgeist. Dafür wird durchaus auch ein gewisser Aufwand in Kauf genommen.

Und hier liegt die Chance: Vereine müssen ein Angebot schaffen, mit dem sie sich klar positionieren. Ein Profil gestalten, das für einen ausgewählten Kundenkreis attraktiv ist. Sich für Schwerpunkte entscheiden, um diese dann mit ganzer Kraft und hoher Qualität zu liefern. Wofür wollen wir stehen? Was wollen wir bieten? Welchen Spielern wollen wir eine Heimat geben? Und in der Umkehrung: Was und wen wollen wir nicht? Wer sich jetzt an Marketing-Basics aus der Wirtschaft und das 1×1 eines Unternehmens erinnert fühlt, liegt genau richtig und findet dort wichtige Impulse.

Der Verein als Dienstleister, die Mitglieder als Kunden – eine Perspektive, die althergebrachte Denk- und Arbeitsweisen auf den Kopf stellt. Die nach Zielen und Konzepten, nach strukturierter Entwicklung und Aktivität verlangt. Und die die Frage in den Mittelpunkt stellt: Was wollen wir für unsere Mitglieder leisten?

Das Ziel muss es sein, einen so wunderbaren Garten zu bieten, dass die gesuchten Schäfchen gern hier grasen und sich auch von fremden Wölfen nicht so einfach locken lassen.

„Wir schicken keinen zur Auswahl“

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By Vicky Helms

Quelle: Blog "Harz am Ball"

Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar nicht nur als versteckten Boykott, indem keine Spieler zur Sichtung geschickt werden, sondern auch als laute Aussage voller Überzeugung.

Immer wieder, immer noch gibt es einzelne Vereine, die für ihren Nachwuchs den Zugang zum Auswahlbereich bewusst versperren, die sich aus dem System Talentförderung ausklinken und wo Verantwortliche aus einer Laune heraus über die Zukunft von Jugendlichen entscheiden, Chancen willentlich behindern.

Hat ein Verein das Recht, einem jungen Menschen einen solchen Weg zu verbauen?

Die Gründe für dieses Verhalten werden der oben genannten Aussage meist gleich mitgeliefert: Wenn die Spieler zur Auswahl gehen, werden sie von anderen Vereinen weggeholt. Die Auswahl als Spielermarkt, auf dem sich die Wölfe der anderen Vereine tummeln und sich gierig über das aktuelle Angebot hermachen.

    Lieber halten wir ein Licht versteckt und klein, als dass es irgendwann so hell wird und über unseren eigenen Horizont hinaus scheint.

Es ist eine Tatsache, dass sich die Vereinszugehörigkeiten von Auswahlkadern vom Moment der ersten Sichtung an stark verändern und am Ende des Förderzeitraums oftmals eine Konzentration auf wenige Vereine besteht. Auf sämtlichen Auswahlebenen. Zentralisierung. Um diesen Prozess angemessen beurteilen zu können, sollte man allerdings einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich als Verein nicht vorschnell in die Armes-Opfer-Rolle begeben.

Was passiert, wenn motivierte Nachwuchsspieler für die Auswahl gesichtet werden? Für die meisten eröffnet sich eine neue Welt. Umgeben von ähnlich Handball-Verrückten erleben sie ein anspruchsvolleres Training, das Herausforderungen und Lernen beinhaltet. Sie erfahren das Spiel auf einem höheren Niveau und sehen, was möglich ist, wenn man mit Gleichstarken auf der Platte steht. Für einige kommt es gar einer Befreiung gleich zu erleben, dass es noch andere gibt, die so anders sind wie sie: Deren Leben sich um Handball dreht, die nicht genug vom Spiel mit dem Ball bekommen können, die ehrgeizige Ziele verfolgen und die gern bereit sind, konzentriert und mit hoher Intensität zu trainieren. Und dann kommt der Vergleich mit dem Training im Verein, mit den aktuellen Mitspielern. Und dann schleicht sich der Wunsch an, das Andere öfter, besser immer haben zu wollen – die Suche nach der liebgewonnenen Spielfreude beginnt.

Was die Zentralisierung weiterhin unterstützt, sind die Bedingungen, die für einen Weg auf ein bestimmtes Leistungslevel gegeben sein müssen. Spielklasse, Trainingsumfang, Trainerqualität, Niveau der Trainingsgruppe. Oft werden sie als Anforderungen der Verbände deklariert, als Zwänge der verantwortlichen Trainer verurteilt. Im Kern sind es jedoch die Bedingungen, die der Leistungssport diktiert, die aus der Erfahrung und Analyse vieler erfolgreicher Karrieren und gescheiterter Entwicklungen gewonnen wurden. Früher oder später werden Auswahlspieler mit diesen Forderungen konfrontiert: Wenn du dieses Niveau halten und dein Potenzial weiter entwickeln willst, brauchst du folgende Rahmenbedingungen. Und wieder erfolgt der Vergleich mit den Gegebenheiten im eigenen Verein. Dem gegenüber steht die Frage nach den persönlichen Zielen im Handball. Wenn beides nicht zusammenpasst … – es ist eine Entscheidung für die eigene Zukunft.

Ich frage mich oft: Warum ist es für Vereine und ihre Verantwortlichen so schwer zu erkennen und loszulassen? Zu erkennen, dass man einem Talent nicht bieten kann, was es für seine Entwicklung braucht. Einen Spieler bereitwillig ziehen zu lassen, ihn vielleicht gar wegzuschicken, in der Freude, was aus ihm werden könnte, und mit dem Stolz, dass der „mal von uns kam“.

Dann gebt doch selbst Gas! Erschafft doch bei euch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Investiert das Nötige, Zeit, Geld und Engagement. – Das ist meine Antwort auf die Angst, die Besten zu verlieren. Wer sie halten will, muss ihnen eine Heimat geben. Wie armselig ist die Lösung, das Licht lieber unter den Scheffel zu stellen.

Wir schicken keinen zur Auswahl. Hat das eigentlich Konsequenzen für einen Verein? Nicht direkt …

Lohnt sich das alles überhaupt noch?

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By Vicky Helms

Quelle: Blog "Harz am Ball"

Der traditionelle Anspruch an die Jugendarbeit wird nur noch von Ausnahmefällen erfüllt, denn Vereine sind heute Begleiter auf Zeit. Auf der Suche nach einem neuem Sinn.

Neulich machten wir uns den Spaß einer kleinen vereinsinternen Statistik. Wie viele Spielerinnen waren in den vergangenen 10 Jahren tatsächlich vom Jugendbereich in die Frauenteams gewechselt und noch für den Verein aktiv am Ball? Vorschläge und Wetten werden jetzt entgegen genommen.

In Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen über das Thema Jugendarbeit kommt man eher früher als später zu Sinn und Ziele des Ganzen. Der übliche Anspruch: Nach-Wuchs für die eigenen Frauen- und Männerteams. So alt wie die Idee ist denn auch die Formulierung: für unsere Senioren. Das traditionelle Konzept der Vereinstreue von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter lebt immer noch im Kopf so vieler Vereinsgestalter. Meist unabhängig von deren Alter – der Staffelstab scheint hier erfolgreich übergeben zu werden. Deutet man dann an, dass dieser Plan heute kaum noch funktioniert, kommt schnell die entrüstete Frage: Wofür machen wir das dann alles?

Unsere kleine Statistik ergab: 11 Spielerinnen in den letzten 10 Jahren. Ziemlich genau eine Spielerin pro Jahrgang ist dem Verein aus der eigenen Nachwuchsarbeit erhalten geblieben. Eine – Spielerin – pro – Jahrgang.

Bedenkt man, dass Jugendteams in der Regel zwei Jahrgänge vereinen und man mit zwei Mädels wohl nicht spielfähig war, drängt sich die Frage auf: Was ist mit all den anderen passiert? Spielt schon lange kein Handball mehr, ist für das Studium weggezogen, hat neben Ausbildung und Job keine Zeit, hat den Verein gewechselt. Natürlich macht der Wandel unserer Gesellschaft vor den Toren der Sportvereine nicht Halt. Leben ist welt-weit geworden. Mobil sein, flexibel sein. Unzählige Wahlmöglichkeiten. Chancen überall. Das hat seine Auswirkungen.

Die Realität: Vereine sind heute Begleiter auf Zeit. Für einen Zeitraum. Für einen Lebensabschnitt. Für einige Jahre, manchmal auch nur Monate. Wer Kindern und Jugendlichen das Handballspielen beibringen will, um die Früchte im Erwachsenenalter selbst zu ernten, wird viele, viele Male bitter enttäuscht werden.

Was unsere kleine Statistik nicht gemessen hat: All die wertvollen Erfahrungen, die unvergessenen Erinnerungen, das gewonnene Selbstvertrauen, die hilfreichen Fähigkeiten, die dicken Freundschaften, die glücklichen Momente … die weit mehr als 11 Mädchen, heute Frauen, aus ihrer Zeit im Verein mitgenommen haben.

Sportvereine haben die Chance, Kindern und Jugendlichen etwas mitzugeben. Für ihr Leben. Einen Eindruck in der Persönlichkeit zu hinterlassen. Werte und Fähigkeiten zu vermitteln. Manchmal sogar jemanden vor dem Absturz zu bewahren. Vielleicht ist der Anspruch – einen Beitrag zur Entwicklung der Kids zu leisten – heute bedeutender denn je.

… und dafür machen wir das alles. Einige Jahre, manchmal auch nur Monate.

Extrembelastung im Fußball

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Neunzig Minuten für ein 0:0

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Fußball wird immer komischer

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Sport mit Gehalt statt absurder Gehälter

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